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name: entfristung-sachgrundlos-14-abs-2a-neugruendung
description: "Sachgrundlose Befristung bei Unternehmensneugründung nach § 14 Abs. 2a TzBfG: vier Jahre Gesamtdauer; Neugründungsprivileg; Voraussetzungen der Neugründung; Abgrenzung zu blossen Unternehmensumstrukturierungen."
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# Sachgrundlose Befristung bei Neugründung — § 14 Abs. 2a TzBfG
## Triage zu Beginn
1. Handelt es sich um eine echte Erstgründung oder um Umstrukturierung / Ausgliederung?
2. Wann genau wurde das Unternehmen gegründet? (Datum der Ersteintragung ins Handelsregister)
3. Liegt das Vertragsschluss-Datum innerhalb von 4 Jahren nach Gründung?
4. Wie lange soll die Befristung dauern? (max. 4 Jahre Gesamtdauer)
5. Gab es eine Vorbeschäftigung des Arbeitnehmers beim selben Arbeitgeber?
## Zentrale Normen
- § 14 Abs. 2a TzBfG — Neugründungsprivileg (4 Jahre Gesamtdauer, mehrfache Verlängerung)
- § 14 Abs. 2 Satz 2 TzBfG — Vorbeschäftigungsverbot gilt auch bei § 14 Abs. 2a TzBfG
- § 16 Satz 1 TzBfG — Rechtsfolge bei Verstoß: Vertrag gilt als unbefristet
- § 17 TzBfG — 3-Wochen-Klagefrist
## Aktuelle Rechtsprechung
- BAG, Urt. v. 15.08.2012 – 7 AZR 184/11, NZA 2013, 40 — Eine Neugründung i.S.d. § 14 Abs. 2a TzBfG liegt nur vor, wenn das Unternehmen erstmals eine wirtschaftliche Tätigkeit aufnimmt; bloße Umstrukturierungen, Rechtsformwechsel und Ausgliederungen aus einem Unternehmensverbund erfüllen die Voraussetzungen nicht.
- BAG, Urt. v. 23.01.2019 – 7 AZR 733/16, NZA 2019, 1042 — Das Vorbeschäftigungsverbot des § 14 Abs. 2 Satz 2 TzBfG gilt für alle Varianten sachgrundloser Befristung einschließlich § 14 Abs. 2a TzBfG; eine frühere Beschäftigung beim selben Arbeitgeber schließt das Neugründungsprivileg aus.
- BAG, Urt. v. 16.04.2008 – 7 AZR 1048/06, NZA 2008, 999 — Das Schriftformerfordernis des § 14 Abs. 4 TzBfG gilt auch für Befristungen nach § 14 Abs. 2a TzBfG; die Befristungsabrede muss vor Arbeitsaufnahme in eigenhändiger Schriftform vorliegen.
## Kommentarliteratur
- ErfK/Müller-Glöge, 25. Aufl. 2025, § 14 TzBfG Rn. 125 ff. (Neugründungsprivileg)
- HWK/Schmalenberg, 11. Aufl. 2024, § 14 TzBfG Rn. 70 ff.
## Das Neugründungsprivileg
§ 14 Abs. 2a TzBfG gewährt neugegründeten Unternehmen ein erweitertes Recht zur sachgrundlosen Befristung:
> In den ersten vier Jahren nach der Gründung eines Unternehmens ist die Befristung eines Arbeitsvertrags auch ohne Vorliegen eines sachlichen Grundes bis zur Dauer von vier Jahren zulässig; bis zu dieser Gesamtdauer von vier Jahren ist auch die mehrfache Verlängerung eines Zeitarbeitsvertrags zulässig.
## Voraussetzungen
1. **Neugründung eines Unternehmens:** Es muss sich um eine echte Neugründung handeln.
2. **Vier-Jahres-Fenster:** Die Befristung muss innerhalb von vier Jahren nach der Gründung beginnen.
3. **Gesamtdauer bis zu vier Jahren:** Auch die sachgrundlose Befristung kann bis zu vier Jahre dauern.
4. **Mehrfache Verlängerung zulässig** (im Gegensatz zu § 14 Abs. 2 TzBfG: dreimal).
## Was ist eine Neugründung?
**Neugründung i.S.d. § 14 Abs. 2a TzBfG liegt vor:**
- Erstmalige Aufnahme einer wirtschaftlichen Tätigkeit
- Noch keine Beschäftigung von Arbeitnehmern
**Keine Neugründung i.S.d. Vorschrift:**
- Rechtsformwechsel eines bestehenden Unternehmens
- Ausgliederung von Unternehmensteilen (§ 613a BGB-Fälle)
- Übernahme eines bestehenden Unternehmens (Asset Deal oder Share Deal)
- Bloße Umfirmierung
**BAG zu § 14 Abs. 2a TzBfG:** BAG, Urt. v. 15.08.2012 – 7 AZR 184/11: Eine Neugründung im Sinne dieser Norm liegt nur bei einer echten unternehmerischen Erstaufnahme einer wirtschaftlichen Tätigkeit vor.
## Vorbeschäftigungsverbot gilt auch hier
Das Vorbeschäftigungsverbot des § 14 Abs. 2 Satz 2 TzBfG gilt auch für Befristungen nach § 14 Abs. 2a TzBfG.
## Praxisrelevanz
§ 14 Abs. 2a TzBfG ist in der Praxis selten, da es schwierig ist, die Neugründungsvoraussetzungen zu belegen und das Vier-Jahres-Fenster zu nutzen. Startups und Neugründungen können aber von dieser Regelung profitieren.
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Hinweis: Keine Rechtsberatung. Mechanische Prüfung anhand vom Nutzer behaupteter Tatsachen. Falsche Sachverhaltsangabe oder falsche Anspruchsgrundlage entwertet das Ergebnis. Dringende Empfehlung anwaltlicher Beratung, insbesondere wegen der Drei-Wochen-Fristen.