stb-ueberschuldungspruefung-19-inso
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npx mdskill add Klotzkette/claude-fuer-deutsches-recht/stb-ueberschuldungspruefung-19-insoStichtagsbezogene Prüfung, ob bei einer GmbH/UG **rechnerische Überschuldung** vorliegt und ob die **Fortbestehensprognose** positiv oder negativ ausfällt. Pflicht-Workflow für den Steuerberater bei jeder Bilanz/SuSa mit Krisensignalen aus `stb-bwa-sus-bilanz-pruefung`. Ergebnis steuert direkt das Warnschreiben an die Geschäftsführung (`stb-warnschreiben-krisensignale`) und damit die eigene Haftungsvermeidung des Steuerberaters.
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--- name: stb-ueberschuldungspruefung-19-inso description: "Stichtagsbezogene Ueberschuldungspruefung einer GmbH nach § 19 Abs. 2 InsO durch den Steuerberater. Anwendungsfall Jahresabschluss oder BWA zeigt Krisensignale Steuerberater muss Ueberschuldung rechtssicher pruefen. Zweistufig rechnerische Ueberschuldung Aktiva vs. Passiva Liquidationswerte und Fortbestehensprognose 24 Monate nach SanInsKG IDW S 6 IDW S 11. Passiva II BGH II ZR 233/18 und BGH II ZR 88/16. Output Ampel-Bewertung Pruefprotokoll Uebergang zu stb-warnschreiben-krisensignale bei roter Ampel." --- # Überschuldungsprüfung § 19 InsO (Steuerberater-Sicht) ## Zweck Stichtagsbezogene Prüfung, ob bei einer GmbH/UG **rechnerische Überschuldung** vorliegt und ob die **Fortbestehensprognose** positiv oder negativ ausfällt. Pflicht-Workflow für den Steuerberater bei jeder Bilanz/SuSa mit Krisensignalen aus `stb-bwa-sus-bilanz-pruefung`. Ergebnis steuert direkt das Warnschreiben an die Geschäftsführung (`stb-warnschreiben-krisensignale`) und damit die eigene Haftungsvermeidung des Steuerberaters. > ⚠️ **Steuerberater leistet keine insolvenzrechtliche Rechtsberatung** (§ 5 RDG). Ergebnis ist **technische Indikation** als Grundlage für den Hinweis an die Geschäftsführung, anwaltliche Beratung einzuholen. Die rechtliche Beurteilung der Insolvenzantragspflicht (§ 15a InsO) gehört nicht zur StB-Aufgabe — aber der Hinweis darauf gehört zur StB-Sorgfaltspflicht (BGH IX ZR 285/14, IX ZR 110/14). ## Kaltstart-Rückfragen 1. Welcher Stichtag (typisch: Quartalsende, letzter Bilanzstichtag)? 2. Liegen Jahresabschluss, SuSa und aktuelle BWA vor? 3. Stille Reserven bekannt (Immobilien, Vorräte, immaterielles Vermögen)? 4. Rangrücktritts-/Patronatserklärungen, Gesellschafterdarlehen mit Subordination? 5. Pensionsverpflichtungen (vollständig in Bilanz oder mit Übergangsrecht § 28 EGHGB)? 6. Bestehen aktuell Stundungen FA / Sozialkassen? 7. Sanierungskonzept oder Plan in Arbeit? ## Rechtlicher Rahmen ### Primärnormen - **§ 19 Abs. 2 InsO** — Überschuldung = Vermögen deckt bestehende Verbindlichkeiten nicht, **es sei denn** Fortführung des Unternehmens ist nach den Umständen überwiegend wahrscheinlich (positive Fortbestehensprognose). - **§ 19 Abs. 2 Satz 1 InsO i.V.m. SanInsKG** — Prognosezeitraum: **24 Monate** für Eröffnungsanträge bis 31.12.2026 (SanInsKG-Verlängerung 12/2023, verlängert durch JStG 2024). Ab 1.1.2027 voraussichtlich Rückkehr zu 12 Monaten — Stichtagsprüfung pflichtig. - **§ 15a Abs. 1 Satz 1 InsO** — Insolvenzantragspflicht bei Überschuldung: spätestens **sechs Wochen** ab Eintritt (bei Zahlungsunfähigkeit drei Wochen). - **§ 15b InsO** — Zahlungsverbote nach Insolvenzreife (löste § 64 GmbHG a.F. ab; SanInsFoG, 1.1.2021). - **§ 17 InsO** — Zahlungsunfähigkeit als Parallel-Tatbestand. - **§ 102 StaRUG** — Krisenfrüherkennungspflicht der Geschäftsleitung; Hinweisrecht/-pflicht des Steuerberaters bei wesentlichen Krisensignalen. ### Leitentscheidungen - BGH, Urt. v. 19.11.2019 — **II ZR 233/18**, NJW 2020, 1809 (Fortbestehensprognose: tragfähiges Unternehmenskonzept + Finanzplan; Maßstab überwiegende Wahrscheinlichkeit). - BGH, Urt. v. 9.10.2012 — **II ZR 298/11**, BGHZ 195, 42 Rn. 12 ff. (insolvenzrechtliche Überschuldung; Abgrenzung zu handelsbilanziell). - BGH, Urt. v. 19.12.2017 — **II ZR 88/16**, BGHZ 217, 129 (Passiva II — verknüpft mit Zahlungsunfähigkeit, Volumeneffekt; einschlägig bei rechtzeitiger Liquiditätsprognose). - BGH, Urt. v. 26.1.2017 — **IX ZR 285/14** (Beratungspflicht Steuerberater bei Krisensignalen — "Steuerberater-Haftungsfalle"). - BGH, Urt. v. 7.3.2013 — **IX ZR 64/12** (Steuerberater muss auf Krise hinweisen, sobald er sie aus der Buchhaltung erkennt). ### Berufsständischer Hintergrund - **IDW S 11** (Beurteilung des Vorliegens von Insolvenzeröffnungsgründen, Stand 12.8.2021) — maßgebliche Anleitung für die zweistufige Prüfung. - **IDW S 6** (Anforderungen an Sanierungskonzepte) — Maßstab für tragfähiges Unternehmenskonzept als Grundlage positiver Fortbestehensprognose. - **§ 252 Abs. 1 Nr. 2 HGB** — Going Concern als handelsbilanzielle Grundsatznorm; nicht identisch mit insolvenzrechtlicher Fortbestehensprognose, aber Indizwirkung. ## Zweistufige Prüfung (IDW S 11) ### Stufe 1 — Fortbestehensprognose (Primärprüfung) Reihenfolge nach IDW S 11 Rn. 23 ff.: **Erst Prognose, dann Status.** Ist die Fortbestehensprognose positiv, ist § 19 InsO ohne weiteres ausgeschlossen — der rechnerische Überschuldungsstatus ist dann nicht erforderlich. **Prognose positiv, wenn alle drei Voraussetzungen erfüllt:** 1. **Tragfähiges Unternehmenskonzept** (IDW S 6 — Krisenstadium analysieren, Sanierungsbeitrag aller Stakeholder, Zielbild des sanierten Unternehmens). 2. **Integrierte Planung** über 24 Monate (Ertrag, Liquidität, Bilanz) — Annahmen plausibel, Sensitivität Best/Base/Worst. 3. **Überwiegende Wahrscheinlichkeit** (> 50 %), dass das Unternehmen seine fälligen Zahlungspflichten im Prognosezeitraum erfüllen kann. **Prüfraster:** | Element | Status | Bewertung | |---|---|---| | Unternehmenskonzept liegt schriftlich vor | ja/nein | nein → Prognose nicht haltbar | | Krisenstadium identifiziert (Stakeholder-, Strategie-, Ertrags-, Liquiditätskrise) | ja/nein | nein → IDW S 6 nicht erfüllt | | Integrierte Planung 24 Monate | ja/nein | nein → Prognose technisch nicht möglich | | Liquidität KW t..t+24 Monate ≥ 0 (Best/Base/Worst) | ja/nein | nein → Negative Prognose indiziert | | Sanierungsbeitrag aller Stakeholder dokumentiert (Bank, Lieferanten, FA, Gesellschafter) | ja/nein | nein → Konzept nicht tragfähig | | Annahmen plausibel mit Marktdaten unterlegt | ja/nein | nein → Prognose nicht belastbar | → Bei allen ja: **Prognose positiv** → § 19 InsO greift nicht. → Bei einem entscheidenden nein: **Prognose negativ** → Stufe 2 Pflicht. ### Stufe 2 — Rechnerische Überschuldung (Status zu Liquidationswerten) Nur erforderlich, wenn Stufe 1 negativ ist. Bilanz wird zu **Liquidationswerten** umbewertet: **Aktiva (Liquidationswerte)** | Position | Bewertung | |---|---| | Immaterielle Vermögensgegenstände | regelmäßig 0 EUR (außer einzeln verwertbar mit Markt) | | Sachanlagen | Liquidations-/Marktwert (kein Buchwert) | | Vorräte | Marktwert minus Abschlag für Notverkauf | | Forderungen | Wert minus PWB/EWB; uneinbringliche raus | | Liquide Mittel | Nennwert | | Stille Reserven | mit Gutachten/Sachverständigem belegen | **Passiva — vollständig erfassen** | Position | Bewertung | |---|---| | Verbindlichkeiten LuL | Nennwert | | Verbindlichkeiten Kredite | Nennwert + Vorfälligkeit | | Pensionsverpflichtungen | Barwert (Anwartschaftsbarwertverfahren) | | Rückstellungen (Steuern, Garantien, Prozess) | beste Schätzung | | Gesellschafterdarlehen mit qualifiziertem Rangrücktritt | **nicht** anzusetzen (§ 19 Abs. 2 S. 3 InsO) — Klausel-Prüfung Pflicht | | Sonstige Verbindlichkeiten | Nennwert | → Differenz Aktiva − Passiva: - positiv oder ausgeglichen: **rechnerisch nicht überschuldet** (auch wenn Fortbestehensprognose negativ ist, nur Liquidität § 17 InsO prüfen). - negativ: **rechnerisch überschuldet** + negative Fortbestehensprognose → **Überschuldung i.S.d. § 19 Abs. 2 InsO** → § 15a InsO Insolvenzantragspflicht der Geschäftsführung. ## Ampel-Klassifikation | Stufe 1 | Stufe 2 | Status | Ampel | Handlung | |---|---|---|---|---| | positiv | (entfällt) | keine Überschuldung | 🟢 grün | Routine | | nicht eindeutig | nicht durchgeführt | Krisensignal | 🟡 gelb | Mandant zur Klärung | | negativ | nicht überschuldet | Krise ohne Insolvenzantragspflicht | 🟡 gelb | Sanierungskonzept anregen | | negativ | überschuldet | Überschuldung § 19 InsO | 🔴 rot | **Sofort** Warnschreiben + anwaltlicher Rat zwingend | ## Workflow-Schritte ### Schritt 1 — Eingangsdaten einsammeln - Letzter Jahresabschluss - Aktuelle BWA + SuSa - Forderungsspiegel (offene Posten Debitoren) - Verbindlichkeitsspiegel (offene Posten Kreditoren) - Steuer- und SV-Status (Rückstände, Stundungen, Vollstreckung) - Bestehende Sanierungs-/Restrukturierungs-Unterlagen, falls vorhanden - Rangrücktrittserklärungen, Patronate, Bürgschaften ### Schritt 2 — Fortbestehensprognose (Stufe 1) Anhand IDW S 6 prüfen. Bei Unklarheit oder negativer Tendenz: Mandant darauf hinweisen, dass Stufe 2 zwingend wird und anwaltliche Beratung empfohlen ist. ### Schritt 3 — Rechnerischer Status (Stufe 2) Nur bei negativer Stufe-1-Prognose. Liquidationswerte ansetzen — stille Reserven nur mit Beleg, sonst weglassen. ### Schritt 4 — Dokumentation - Aktennotiz Steuerberater (intern): Ergebnis Stufe 1, ggf. Stufe 2, Datum, Datengrundlage. - Ampel-Klassifikation. - Bei 🟡/🔴: Mandantenwarnschreiben über `stb-warnschreiben-krisensignale` erzeugen — datiert, mit Eingangsbestätigung, archiviert. ### Schritt 5 — Wiedervorlage - 🟢 grün: bei nächster turnusmäßiger Bilanz/BWA-Auswertung. - 🟡 gelb: monatlich. - 🔴 rot: wöchentlich, bis anwaltliche Beratung erfolgt oder Insolvenzantrag gestellt ist. ## Eigene Haftungsvermeidung Steuerberater - **Hinweis-/Warnpflicht** ergibt sich aus laufender Buchhaltungsbetreuung (BGH IX ZR 285/14, IX ZR 64/12, IX ZR 110/14). Wer die Krisensignale aus der eigenen Auswertung kennt, muss darauf hinweisen — sonst Schadensersatzhaftung bei Insolvenzverschleppung. - **Form des Hinweises** schriftlich, mit Eingangsbeleg (Einschreiben oder beA an Mandantenvertretung; **kein ELSTER**, da nicht Empfänger Finanzbehörde). - **Inhalt** klar: konkrete Krisensignale benennen, Empfehlung anwaltlicher Beratung, Hinweis auf § 15a InsO und § 102 StaRUG. Keine eigene rechtliche Beurteilung (§ 5 RDG). - **Wiedervorlage und erneuter Hinweis** dokumentieren, wenn die Krise fortbesteht. - **Ohne Hinweis** droht eigene Haftung des Steuerberaters für die Verschleppungsschäden — typische Schadenshöhe sechs- bis siebenstellig. ## Querverweise - `stb-bwa-sus-bilanz-pruefung` — vorgelagerte Auswertung, die diesen Skill triggert - `stb-liquiditaetsvorschau-3wochen` — § 17-InsO-Parallelprüfung - `stb-liquiditaetsvorschau-3-6-12-monate` — integrierte Planung als Basis Stufe 1 - `stb-warnschreiben-krisensignale` — nachgelagerter Skill: Schreibvorlage an Mandant - `liquiditaetsplanung` (separates Power-Plugin) — gerichtsfeste insolvenzrechtliche Liquiditätsbilanz (BGH-Passiva-II-Schema), bei tiefergehender Begutachtung - `anw-haftungswarn-15a-inso-mandant` — anwaltliche Spiegel-Variante ## Quellen und Updates Stand: 05/2026. Maßgebliche Reformen berücksichtigt: SanInsKG (24-Monats-Prognose bis 31.12.2026), SanInsFoG (§ 15b InsO statt § 64 GmbHG a.F.), § 102 StaRUG. Bei Verlängerung/Auslaufen des SanInsKG ab 1.1.2027 Prognosezeitraum-Default zurück auf 12 Monate — bitte Stichtag prüfen.